
Manchmal kann aus einer guten Idee ein höchst erfolgreiches Geschäftsmodell werden. Im Falle des Metzgermeisters Josef Pointner hat sich das jahrelange Tüfteln auf jeden Fall gelohnt. Er hat eine Wurst mit weniger als drei Prozent Fett entwickelt, die heute unter dem Namen „vielLeicht-Wurst“ von einer großen Supermarktkette vertrieben wird. Im Jahr 2009 erhielt Pointner für seine innovative Leistung den mit 25.000 Euro dotierten Professor-Adalbert-Seifriz-Preis, der jedes Jahr für erfolgreiche Kooperationen zwischen Handwerk und Wissenschaft vergeben wird.
„Alles fing damit an, dass 2003 eine Kundin in meinen Laden kam und meinte, dass sie leider keine Wurst mehr kaufen könne, denn ihr Mann vertrage sie nicht mehr wegen des Cholesterins“, berichtet Pointner. „Auch andere Kunden fragten mich immer öfter nach fettärmerer Wurst. Es musste also eine fast fettfreie Wurst her – und sie sollte schmecken!“
Gesagt, getan: Es folgten Tage, Wochen und Monate des Experimentierens. Pointner probierte Rezept um Rezept aus, doch entweder die Wurst schmeckte fad, war zu trocken, zu fest, zu lasch oder sie sah einfach nicht gut aus. Im Jahr 2005 wandte sich der Metzgermeister schließlich an das Fraunhofer-Institut in Freising. „Dort war man anfangs noch skeptisch, ob eine fast fettfreie Wurst überhaupt schmecken kann“, so Pointner. „Doch nach einer Verkostung meiner ‚Nofatty‘-Wurst waren die Verantwortlichen von der Wurst überzeugt.“
Damit die Rezeptur aber in allen Testverkostungen die Bestnoten bekam, wurde sie am Fraunhofer-Institut weiter perfektioniert. Daraufhin stellte Pointner die unterschiedlichsten Wurstsorten aus magerem Muskelfleisch mit einem Fettanteil von maximal drei Prozent her – von Weißwürsten über Salami bis zum Bierschinken. Zum Vergleich: Herkömmliche Light-Produkte haben einen Fettgehalt von bis zu 20 Prozent.
Pointners Herstellungsverfahren wurde 2006 zum Patent angemeldet. Mittlerweile wird sein Wurstsortiment deutschlandweit rund 60.000 Mal am Tag verkauft. „Da ja heute jeder auf seine Gesundheit und Fitness achtet, habe ich von Anfang an daran geglaubt, dass eine Wurst mit geringem Fettanteil gut ankommt“, erzählt der Metzger. „Aber dass meine Idee so großen Anklang finden würde, hätte ich mir nicht träumen lassen.“


