
Beim Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks im Dezember haben insgesamt 24 Gesellinnen und Gesellen aus Baden-Württemberg den ersten Platz in ihren Wettbewerbsberufen belegt. Einer davon ist Kadir Unzunsakagoglus. Ursprünglich eher an Metallberufen interessiert, überredete ihn sein Bruder zu einer Stuckateurlehre. Diese schloss der 21-Jährige im Sommer mit der Note 1,6 ab und qualifizierte sich so für den Leistungswettbewerb der Handwerksjugend. Nach Siegen auf Kammer- und Landesebene setzte sich Kadir auch beim Bundesentscheid gegen seine Konkurrenten durch und schaffte es auf die oberste Stufe des Siegertreppchens.
Für die beiden Aufgaben, eine Schale und ein in Sgraffito-Technik gestaltetes Stadtwappen, standen jeweils acht Stunden zur Verfügung. Ein außergewöhnliches Programm, bei dem der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle spielte. Drei der insgesamt sechs Teilnehmer gelang es nicht, Schablonen und Schale im vorgegebenen Rahmen fertigzustellen. Kadir wählte eine andere Herangehensweise als seine Mitstreiter, sparte sich einen Arbeitsgang und viel Zeit. Die Freude darüber ist ihm noch immer anzusehen. „Die Aufgaben waren anspruchsvoll, weil im Alltag andere Arbeiten im Vordergrund stehen“, betont Kadir. Auch sein Betrieb, die Firma Göhring in Unterjesingen bei Tübingen, ist stolz auf die Auszeichnung des Jungstuckateurs. Nicht selten hört der Geschäftsführer Volkmar Bahlinger bei seinen Kunden den Wunsch: „Ich will, dass der Bundessieger den Auftrag ausführt.“ In Sachen Wettbewerbe geht es für Kadir nächstes Jahr weiter. Dann messen sich die Bundessieger der Jahre 2010 und 2011, um den Teilnehmer an der Europameisterschaft 2012 zu ermitteln. Momentan möchte Kadir in jedem Fall erst einmal Berufserfahrung sammeln und sich dann um seine Qualifikation kümmern. Ob Meister oder Bautechniker, das steht noch nicht fest.
Übrigens: Auch bei den EuroSkills 2010 in Lissabon war ein Stuckateur erfolgreich. Der 20-jährige Armin Hummel aus Donzdorf bei Göppingen holte sich den zweiten Platz und wurde so Vize-Europameister seines Handwerks. Den Entschluss, Stuckateur zu werden, haben die beiden erfolgreichen Gesellen bisher sicher noch nicht bereut.


